0:7 gegen England: Kroatien im Kinderspiel gedemütigt

Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die nicht nur unglaublich klingen, sondern die vor dem Spiel wohl auch die kühnsten Optimisten nicht erwartet hätten. Das 0:7 von Kroatien gegen England gestern Abend in der UEFA Nations-League gehört definitiv dazu. Denn hier maßen sich der WM-Dritte England und der Weltranglisten-Zwölfte Kroatien. Das klang nach einem engen Spiel, auch wenn England als leichter Favorit in die Partie ging.

Doch es kam völlig anders! Am Ende herrschte rund ums Stadion und an den TV-Schirmen tiefe Fassungslosigkeit. Denn unter Mannschaften aus dem oberen Drittel ist ein 0:7 heute extrem selten. Ja, 0:7 – du hast richtig gelesen. Und England gewann nicht gegen San Marino oder Gibraltar, sondern gegen Kroatien. Der stolze WM-Dritte von 2022 und ein absolutes Schwergewicht des europäischen Fußballs ging im eigenen Stadion dermaßen baden, dass Kapitän Luka Modric nach Abpfiff von einer historischen Demütigung sprach.

Die nackten Zahlen des Grauens

Dass England als Favorit in die Partie ging, war klar. Aber was sich auf dem Rasen abspielte, glich eher einer Trainingseinheit als einem Länderspiel:

  • 19:0 Torschüsse für die „Three Lions“
  • Ein absurd hoher xG-Wert von 6,43 für England
  • 0:7 als historisch höchste Niederlage der kroatischen Länderspielgeschichte

Wobei das Spiel schon vor dem Anpfiff unter einem besonderen Vorzeichen stand: Nach rassistischem und diskriminierendem Verhalten der eigenen Fans rund um das Nations-League-Viertelfinalspiel gegen Frankreich hatte die UEFA dem kroatischen Verband einen Zuschauerausschluss für das nächste offizielle Heimspiel – eben jene Partie gegen England in Rijeka – aufgebrummt. Später milderte die UEFA die Strafe ab und erlaubte, dass 5.000 bis 6.000 Kinder bis 14 Jahre kostenlos ins Stadion durften.

„Wie mit fünf Mann weniger“: Modrics ehrliche Scham

Das Ergebnis: Die Kulisse klang nach Pausenhof, während Englands Starensemble auf dem Platz kurzen Prozess machte. Kroatiens Rekordnationalspieler Luka Modric, der seit zwei Jahrzehnten im Trikot der Nationalmannschaft spielt und stets zu den Leistungsträgern gehört, zeigte sich nach dem Spiel völlig schockiert. Seine ehrlichen Worte, die der Kicker zitiert, ließen tief blicken:

„Ich bin seit 20 Jahren in der Nationalmannschaft und empfinde zum ersten Mal Scham nach einem Spiel [...]. Es sah so aus, als hätten wir vier, fünf Spieler weniger gehabt.“

Sein Trainer Slaven Bilic sprach von einem „kollektiven Blackout“ und verriet, dass er schon in der Halbzeit (beim Stand von 0:4) nicht mehr an ein Comeback seiner Mannschaft glaubte. Sein einziges Ziel war es da nur noch, Schadensbegrenzung zu betreiben. Und ausgerechnet jetzt müssen die Kroaten in der UEFA Nations-League gegen die zurzeit übermächtigen Spanier ran, die kürzlich erst in England gewannen. Gelingt nach dem Desaster gegen die Briten in diesem nächsten Kracher keine Reaktion, dürfte die Amtszeit von Bilic schnell beendet sein.

Das wäre dann Entlassung mit Ansage!

Denn schon vor dem historischen 0:7 hing der Job des kroatischen Nationaltrainers nach einer Serie enttäuschender Ergebnisse am seidenen Faden. Im modernen Profifußball gilt schließlich ein eisernes Gesetz: Wenn eine Mannschaft auf dem Platz so kollektiv den Dienst verweigert und die Kabine wirkt, als hätte sie längst resigniert, zahlt am Ende immer der Trainer die Zeche. Die Frage nach diesem Abend ist also nicht mehr ob, sondern nur noch, wann der Verband die Notbremse zieht.


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